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Auf der Suche nach der Gartenammer...

Avatar of Pawel MalecPawel Malec - 14. Mai 2021 - Naturpark Artikel

... äh, ich meine natürlich den Ortolan. Gartenammer und Ortolan sind nämlich nur zwei verschiedene Namen für ein und dieselbe Vogelart. Ersterer bezieht sich auf die ehemals weite Verbreitung dieses Vogels. Leider mit Betonung auf "ehemals", denn dem Ortolan geht es heutzutage alles andere als gut. Aufgrund der immer weiter fortschreitenden Veränderung der (Offen-)Landschaft gehen mehr und mehr Lebensräume des Ortolans verloren, sodass heute nur noch wenige Bruten durchkommen. Der Ortolan bevorzugt nämlich trockenwarme, offene Standorte mit vereinzelten Büschen oder Bäumen als Sitz- und Singwarten. In Mainfranken waren dies lange Zeit z.B. Streuobstbestände, von denen es heutzutage jedoch immer weniger gibt. Als Bodenbrüter ist er zudem auch einem nicht unerheblichen Druck durch Fressfeinde ausgesetzt.

Entsprechend wichtig ist eine genaue Überwachung seiner Bestände, wie sie bei der landesweiten Ortolan-Kartierung des Landesbundes für Vogelschutz durchgeführt wird. Bei einem solchen "Monitoring" werden festgelegte Flächen, sogenannte "Quadranten" nach dem Vorkommen des Ortolans abgesucht. Dies kann durch eine Sichtbeobachtung mit dem Fernglas oder - was häufig einfacher ist - durch "Verhören", also das morgendliche Abhorchen eines Gebiets nach singenden Männchen geschehen. Um den LBV zu unterstützen, habe ich einen solchen Quadrantenheute nach dem Ortolan abgesucht.

Eines vorab: Leider konnte ich in meinem Quadranten an diesem Morgen keinen Ortolan entdecken. Wen wundert's, handelt es sich bei ihm ja wie beschrieben um eine mittlerweile seltene Erscheinung. Jedoch kommt auch noch eine weitere Ursache infrage. Und zwar ist der Frühling dieses Jahr bekanntlich außerordentlich kalt, so kalt wie zuletzt in den 80er Jahren. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Tiere dort draußen aus - der Ortolan ist nämlich ein Zugvogel. Es könnte demnach sein, dass viele Vögel dieses Jahr erst verspätet wieder bei uns eintreffen. Außerdem ist auch das Wetter zum Kartierzeitpunkt immer ein wichtiger Faktor. Ist es zu windig, zu nass oder zu kalt singen die Männchen kaum und verstecken sich lieber vor der Witterung.

Doch obwohl ich natürlich etwas traurig bin, ihn nicht angetroffen zu haben - man macht stattdessen immer auch andere, spannende Entdeckungen. So konnte ich heute früh ganz toll die seltenen Heidelerchen bei Ihrem Singflug beobachten. Im Gegensatz zu der häufigeren Feldlerche, welche in der offenen Feldflur brütet, mag die Heidelerche sonnig-warme Waldränder. Auch die ersten Neuntöter sind zurück und beanspruchen lautstark ihre Reviere. Auf einer Feuchtfläche blühte bereits der besonders geschützte Knöllchen-Steinbrech. Und ein Stück weiter auf einem Weinberg konnte ich dann auch noch einen "Mauerfuchs" finden, einen wirlklich toll gezeichneten Schmetterling. Man merkt eben, dass es da draußen jetzt wirklich wieder los geht.

Ortolan-Männchen beim Reviergesang

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