Lichtverschmutzung

"Alles so schön hell hier" - Zum Thema Lichtverschmutzung

Die Temperaturen steigen und so werden langsam auch die Abende länger - da wandert der Blick dann ganz von allein gen Nachthimmel. Aber wann haben Sie das letzte Mal in den Nachthimmel geschaut und über die schiere Masse der Sterne am Firmament gestaunt? Ist schon eine Weile her? Dann sind Sie damit bestimmt nicht allein. Heutzutage überstrahlen die Lichtglocken künstlicher Lichtquellen einen großen Teil des nächtlichen Himmels und machen im Bereich von Wohnsiedlungen, Industriegebieten und hell erleuchteten Straßenzügen „die Nacht zum Tage“. Dabei hängt eine Reihe biologischer Prozesse von einem Hell-Dunkel-Rhythmus ab, welcher, wenn er aus der Bahn gerät, zu negativen gesundheitlichen und ökologischen Effekten führen kann.

Auswirkungen auf die eigene Gesundheit…

Ähnlich wie eine „Winterdepression“, welche durch Lichtmangel in der dunkleren Jahreszeit hervorgerufen werden kann, so führt auch mangelnde Dunkelheit durch z.B. spätes Fernsehen, das Betrachten von LED-Bildschirmen von Smartphones, aber auch durch die „Dauerbeleuchtung“ der Städte auf lange Sicht zu Veränderungen des Hormonhaushalts und damit gesundheitlichen Problemen wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder einer Schwächung des Immunsystems.

…und auf die Umwelt

Der natürliche Wechsel von Tag-Nacht/Hell-Dunkel ist der grundlegendste Rhythmus allen Lebens, welches sich im Laufe von Millionen von Jahren daran angepasst hat. Störungen betreffen daher alle Zweige eines Ökosystems. So werden z.B. nachtaktive Tiere immer weiter in die stetig kleiner werdenden „Dunkelgebiete“ zurückgedrängt, womit sich ihr Lebensraum verkleinert, ihre Ruhephasen gestört werden und Räuber-Beute-Beziehungen verschieben. Insekten, welche sich normalerweise am Licht der Sterne orientieren, werden von künstlichen Lichtquellen irritiert und verenden entweder durch Erschöpfung oder verbrennen direkt an den Leuchtmitteln. Sie fehlen dann wiederum als wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere ebenso wie als unverzichtbare Bestäuber vieler Pflanzenarten. Auch viele Zugvogelarten, welche häufig im Schutz der Nacht ziehen und dabei das Mond- und Sternenlicht als Orientierungshilfe nutzen, leiden unter der künstlichen Helligkeit. Hell beleuchtete Siedlungen werden fälschlicherweise angeflogen, wodurch es zu Todesfällen durch Entkräftung oder Kollisionen mit beleuchteten Gebäuden kommt. Durch die vom Kunstlicht verursachten Verzögerungen verschieben sich die Zugzeiten, sodass die Vögel beispielsweise zu spät in ihren Brutgebieten eintreffen und es so zu verringertem Bruterfolg kommen kann.

Was kann man tun?

Zu viel unnötiges Licht bedeutet zunächst natürlich eine nicht unerhebliche Energie- und Geldverschwendung. Der bedarfsgerechte Einsatz von Licht – beispielsweise über Dimmung oder gar Abschaltung nicht notwendiger Beleuchtung während der Nachtkernzeit – sollte an vorderster Stelle stehen. Prinzipiell ist jedoch nicht nur die Menge, sondern ebenso die Richtung des ausgestrahlten Lichts von Bedeutung. Lösungskonzepte sollten deshalb immer auch den Aspekt der Lichtlenkung berücksichtigen. So müssen Gebäude, Bäume, Denkmäler, etc. nicht unbedingt von unten angestrahlt werden, um sie in Szene zu setzen. Ohnehin sind Bodenstrahler nicht nur unökologisch, sondern auch unwirtschaftlich, da ein Großteil des Lichts in die Umgebung abgestrahlt wird. Mit der zunehmenden Verbreitung der LED-Technik, welche gegenüber konventionellen Leuchtmitteln eine deutlich höhere Leuchtdichte und damit verbunden auch ein höheres Blendpotential aufweisen, wird die richtige Lichtlenkung noch wichtiger. Es gilt: Beleuchtung mittels sachgerechter Ausrichtung von oben nach unten, eine Abstrahlung in den Himmel gilt es zu vermeiden. Auch die Lichtfarbe spielt eine Rolle. Vermieden werden sollte „zu kaltes“ Licht mit hohem Blauanteil, da dieses besonders weit streut und sehr anziehend auf Insekten wirkt.

Um auf das Problem des „Lichtsmogs“ aufmerksam zu machen, organisiert der Naturpark Steigerwald eine Wanderausstellung zum Thema. Diese kann vom 10. Mai bis 28. Juni 2019 im Alten Rathaus, Hauptstr. 1, 91443 Scheinfeld besichtigt werden.

 

Bild: Mittelfränkische Bocksbeutelstraße/Trykowski