Tierwelt

Gelbbauchunke

Als eine sogenannte "Pionierart" besiedelt die Gelbbauchunke (Bombina variegata) offene und besonnte Kleinstgewässer und nutzt diese zur Fortpflanzung. Ihr ursprünglicher Lebensraum, sich in natürlicher Dynamik wandelnde Bach- und Flussauen, ist weiträumig verschwunden. Heute findet man dieses Amphib vorwiegend in Sekundärstandorten wie beispielsweise Abbaustellen, Gräben oder auch wassergefüllten Fahrspuren in Waldbereichen. Als Überwinterungsquartiere dienen Verstecke im Bereich von Totholz oder Steinen.

Die Gelbbauchunke ist in Deutschland durch Lebensraumverlust (infolge des Wegeausbaus im Wald, Verfüllung von Tümpeln oder des Zuwachsens von Kleingewässern) und die Fragmentierung lokaler Vorkommen stark gefährdet. Dem entgegenzuwirken ist auch Ziel des Naturparks Steigerwald im Rahmen eines Artenschutz-Projektes, das in Kooperation mit dem Naturpark Frankenhöhe im Frühjahr 2020 startete.

Ein Video mit weiteren, spannenden Informationen zur Gelbbauchunke findet ihr hier.

 

 

Holzbewohnende Käfer

Viele, mittlerweile selten gewordene Käferarten entwickeln sich in abgestorbenem, sich zersetzendem Holz. Die Larven vieler dieser sogenannten „xylobionten“ (griechisch „xylos“ = Holz und „bios“ = Leben) Arten brauchen mehrere Jahre für ihre Entwicklung zum fertigen Käfer, in welcher sie sich vom nährstoffarmen Holz ernähren. Ferner handelt es sich meist auch um wärmeliebende Arten, welche auf ein bestimmtes Mikroklima angewiesen sind und zu dicht stehende und damit kühle Wälder meiden.

Der Steigerwald bietet mit seinem hohen Anteil an stehen- und liegengelassenem Totholz sowie lichteren Waldbereichen, welche sich rascher erwärmen können, einigen der imposantesten Arten wie dem größten Käfer Europas, dem Hirschkäfer (Lucanus cervus, Männchen bis zu 8 cm lang), dem Großen Eichenbock (Cerambyx cerdo) oder dem Eremiten (Osmoderma eremita, auch „Juchtenkäfer“ genannt) wertvollen Lebensraum.

Schwarzspecht

Die mit bis zu 60 cm größte in Deutschland heimische Spechtart ist ein häufiger Brutvogel im Steigerwald und baut ihre Höhlen mit Vorliebe in alte Buchen in zehn bis 15 Metern Höhe. Der Schwarzspecht ernährt sich vorrangig von totholzbewohnenden Ameisen; Anzeichen seiner Schaffens in Form großflächiger Hackspuren lassen sich an vielen Stellen im Steigerwald finden. Die vom Schwarzspecht gezimmerten Höhlen dienen überdies vielen anderen höhlenbrütenden Vogelarten als Nistplatz, so z.B. dem Raufußkauz (Aegolius funereus) und der Hohltaube (Columba oenas).

Eisvogel

Bisweilen als "Blauer Edelstein" der Vogelwelt bezeichnet, ist der Eisvogel auch im Steigerwald zuhause. Hier bewohnt er die Ufer von Teichen und Flüssen wie beispielsweise der Rauhen und Reichen Ebrach. Oft kann man ihn anhand seines hohen, durchdringenden Pfeifrufs bereits von Weitem hören. Als Ansitzjäger hält er von Sitzwarten über dem Wasser Ausschau nach kleinen Fischen, Fröschen oder Insektenlarven. Hat er sein Ziel erspäht, stößt er mit seinem dolchartigen Schnabel pfeilschnell im Sturzflug unter die Wasseroberfläche. Die Beute wird anschließend durch Klopfen an den Ast betäubt und mit dem Kopf voran hinuntergeschlungen. Der Eisvogel beginnt bereits im zeitgen Frühjahr mit der Balz. Dabei macht das Männchen dem Weibchen Brautgeschenke in Form von kleinen Beutetieren (Weibchen haben übrigens einen orange-rötlichen Unterschnabel, während der Schnabel der etwas kleineren Männchen komplett schwarz ist). Die Jungen werden in selbstgegrabenen Höhlen an Steilwänden und Böschungen von Gewässern, seltener auch in Wurzeltellern umgestürzter Bäume großgezogen.

Schmetterlinge

Der Steigerwald ist weithin bekannt für seinen außergewöhnlichen Schmetterlingsreichtum. So wurden hier von den ca. 1300 in Deutschland vorkommenden Großschmetterlingsarten ganze 950 Arten nachgewiesen. Hierbei sticht insbesondere der südliche Teil des Naturparks hervor. Die Vielzahl einander abwechselnder Strukturen samt ihrer Übergänge – Wälder, Wiesen, Halbtrockenrasen - bietet zahlreichen, teils sehr seltenen Arten wertvollen Lebensraum. Besonders beeindruckend lässt sich dies in der Gegend um Bad Windsheim erfahren, wo bis heute Mittelwälder traditionell bewirtschaftet werden. Die regelmäßige Entnahme des Unterholzes lässt viel Licht auf den Waldboden und schafft ein Mosaik aus wärmeren und feuchteren Habitaten. Hier kann man u.a. den Maivogel (Euphydrias maturna) finden, eine Art, die ursprünglich an Au- und Sumpfwälder angepasst ist und im Mittelwald einen geeigneten Ersatzlebensraum fand.

Schachbrettfalter saugt an Klee (Foto: Malec/Naturpark Steigerwald)

Hauhechelbläuling (Foto: Malec/Naturpark Steigerwald)

Kaisermantel (Foto: Malec/Naturpark Steigerwald)

Perlmutterfalter (Foto: Kellner/Naturpark Steigerwald)

Halsbandschnäpper

Die lichten Buchen- und Eichenwälder bieten einen optimalen Lebensraum für den Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis). Er gehört zur Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae), wie beispielsweise auch der offenere Habitate bevorzugende Grauschnäpper oder das bekannte Rotkehlchen. Seinem Familiennamen macht er alle Ehre, wenn er in rasantem Schwirrflug Fluginsekten aus der Luft fängt. Obwohl er auffällig gefärbt scheint, ist er im Licht- und Schattenspiel der Baumkronen oft eher zu hören als zu sehen. Sein Gesang besteht aus kurzen, gepressten Tönen, welche er in abrupten "Oktavensprüngen" vorträgt. Als ausgeprägter Zugvogel ist der Halsbandschnäpper nur in der Zeit von Mai bis Juli bei uns und bezieht in dieser Zeit Baumhöhlen, in denen er seine Brut aufzieht.

Schwarzstorch

Im Gegensatz zu seinem bekannteren Verwandten, dem Weißstorch, lebt der scheuere Schwarzstorch (Ciconia nigra) in großen, strukturreichen Wäldern mit nicht zu dichtem Baumbestand, wo er an Waldbächen, Lichtungen u.ä. auf Nahrungssuche geht. Er braucht freien Anflug zu seinem Nest, weshalb bewaldete Hänge und lichte Altholzbestände zu seinen bevorzugten Neststandorten zählen. Im Steigerwald nisten mittlerweile mehrere Brutpaare.

Wildkatze

Lange, bevor die Römer die ersten Hauskatzen in die Region mitbrachten, waren die heimischen Wälder Lebensraum einer scheuen Jägerin auf leisen Pfoten, welche kaum jemand je zu Gesicht bekommt: der Wildkatze (Felis silvestris).

Sie ist auf naturnahe, zusammenhängende Waldgebiete angewiesen, wo sie Reviere beachtlicher Größe (200-1.000 ha, in Ausnahmefällen bis 5.000 ha) besetzt. Zudem sind die Tiere Einzelgänger und dulden Gesellschaft nur in der Paarungszeit. Was ihren Lebensraum anbelangt, ist die Wildkatze anspruchsvoll: der Baumbestand darf nicht zu dicht stehen, sonst wird es ihr schnell zu feucht, weshalb lichte Waldbereiche ein Wildkatzenrevier enorm aufwerten. Zudem ist ein ausreichendes Angebot an Versteckplätzen in Form von Dickichten, Wurzeltellern, alten Dachs- und Fuchsbauen o.ä. für die Jungenaufzucht unerlässlich. Von einer Hauskatze kann die Wildkatze übrigens anhand des äußeren Erscheinungsbilds nicht einwandfrei unterschieden werden. Merkmale wie der buschigere Schwanz, die fleischfarbene Nase oder der sog. „Aalstrich“ können als Anhaltspunkte dienen, Gewissheit verschafft lediglich eine genetische Untersuchung.

Lebensraumverlust, -zerschneidung und Bejagung haben die Wildkatze in Bayern beinahe ausgerottet, durch aufwendige Wiederansiedlungsprojekte konnten mittlerweile jedoch in einigen Gebieten kleinere Bestände aufgebaut werden. Im nördlichen Steigerwald bei Fabrikschleichach gelang 2017 eine kleine Sensation, als erstmals drei Jungtiere beobachtet werden konnten. Hoffen wir, dass noch mehr dieser faszinierenden Samtpfoten den Weg zurück in unsere Wälder finden werden!